Pappi braucht ein neues paar Schuhen

Am Donnerstag habe ich Nachmittags noch heil den Campingplatz in Charlieu erreicht. Ich habe das erste Mal seit Ewigkeiten wieder einen echten Supermarkt entdeckt, nicht ein kleinen Tante Emma Laden (welche auch ihren Reiz haben und ich auch super finde, dass es die in Frankreich noch so zahlreich gibt) sondern einen richtigen, echten Supermarkt mit elektrische Schiebetür, einer schier endlosen Auswahl von ein und dem selben Produkt, Klimaanlage und allem was dazu gehört! Diesen Luxus habe ich mir natürlich erst einmal gegönnt, noch bevor ich überhaupt den Campingplatz gesucht habe. Beim Zelt aufbauen ging es dann auf einmal wieder los. Blut floß aus meiner Nase, was schon nervig genug ist, aber dieses Mal wollte es einfach nicht aufhören und kam schlussendlich auch aus meinem Mund. Na geilo dachte ich mir und habe erst einmal ein paar Kinder erschreckt und so getan als wäre ich ein Zombie… okay, das habe ich nicht, die Idee kam mir leider erst jetzt, ist aber für das nächste Mal notiert. Ich habe den Campingwart angesprochen, der hat rum telefoniert und einen Mann (ich vermute mal ein Arzt und nicht sein bester Freund vom Stammtisch) erreicht, welcher ihm ein Medikament nannte und mitteilte, dass ich die Sonne meiden und 2 Tage Pause machen solle, zumindest habe ich mir das aus meinem umfangreichen französisch Wortschatz heraus so erschlossen, denn weder der Arzt, noch der Campingwart sprachen Englisch.

Freitag habe ich dann tatsächlich einen unspäktakulären freien Tag im Schatten verbracht und die Zeit genutzt, um die nächsten Tage mal durchzuplanen. Am Samstag klingelte mein Wecker um 3:30 Uhr, damit ich dieses Mal der Sonne best möglichst aus dem Weg gehen kann, stattdessen begann mein Tag mit einigen Sprints, da es anfing zu Blitzen und zu regnen. Ich habe mein Zeug weitestgehend trocken zum Sanitärhaus gebracht und hier anschließend in Ruhe packen können. Als wäre das nicht genug, hat glaube ich ein Blitz in der Nähe eingeschlagen, zumindestens hat es so einen Schlag getan, sodass ich vor Schreck meine Fäust geballt habe und in Verteidigungsstellung gegangen bin, sicherlich sehr effektiv gegen einen Blitz! Den Tag über hatte ich kein Problem mit der Sonne, da es stetig bewölkt und angenehm warm war. Ich habe den eigentlichen, ausgeschilderten Jakobsweg verlassen um die Stadt Roanne aufzusuchen. Hier gab es den lang ersehnten Décathlon, ein Sportfachgeschäft! Ich habe mir ein neues Paar Schuhe gegönnt, eigentlich hatte ich gehofft die gleichen zu finden, wie ich akutell habe, allerdings gab es hier kein Adidas, weshalb ich mich dem Risiko gestellt und mich an eine neue Marke gewagt habe. Bin gespannt, ob dies die richtige Entscheidung war, ihr werdet aber sicherlich früh genug davon erfahren.

Heute am Sonntag hat mich mein Wecker um 4 Uhr aus dem Land der Träume gerissen, ich war sehr sauer darüber, als ich hörte, dass es regnet und habe vor lauter Frust mich entschieden auszuschlafen, was mir natürlich überhaupt nicht gelegen kam! Gegen 10:30 Uhr brach ich schlussendlich heute auf, da ich darauf gesetzt habe, dass es ohnehin bewölkt sein würde. Natürlich habe ich erst einmal meine neuen Schühchen getestet, sie saßen an sich gut, ich habe weder Blasen noch andere Beschwerden, allerdings müssen sie erst einmal eingelaufen werden. Der heutige Tag war eine Qual für den Kopf, an sich waren es nur 25 Km, aber ich hatte einfach null Motivation und durch die neuen Schuhe ermüdeten meine Füße relativ schnell, was meine Stimmungslage nicht sonderlich verbesserte. Als ich 10 Km vor meinem heutigen Ziel Pommiers en Forez im liegenden Zustand meine Motivation gesucht habe, riefen meine Eltern an. Ich freute mich sehr über die Abwechslung und bin sofort wieder aufgebrochen. Denn meine Hauptmotivation heute bestand in dem Wissen, dass ich keine andere Wahl habe, ich muss dieses Ziel heute erreichen und je langsamer ich laufe und je mehr Pausen ich mache, desto später komme ich an. Die Motivation hat mich zwar voran gebracht, meine Laune aber nicht gerade verbessert, umso mehr habe ich mich über den Anruf gefreut. Jetzt sitze ich gerade in einem Imbis und würde gerne meine Eltern zurück rufen, allerdings sitzen zwei deutsche Frauen am Nebentisch und ich will mich nicht als Deutscher outen, da ich heute überhaupt keine Lust auf neue Kontakte oder Smalltalk habe! In dem Sinne euch noch einen schönen restlichen Sonntag und einen guten Start in die Woche. Die beiden Frauen wollen zahlen, das heißt ich kann den Stelthmode auch gleich ausschalten ;).

2 Responses to “Pappi braucht ein neues paar Schuhen

  • Moin Luki!

    Hab gerade mal auf der Karte nach gesehen, wie weit du gekommen bist und war ein wenig baff, als ich gesehen hab, dass du ja schon halb durch Frankreich durch bist! Außerdem hab ich gesehen, dass anscheinend bald ein paar kleinere Waldstrecken durch Nationalparks auf dich zukommen, vielleicht bessert sich dann deine Lage :)
    Davon abgesehen, solltest du dich vielleicht wirklich ein wenig mehr erholen, wenn das Blut schon aus dem Mund kommt hat man sich schon mal eine Pause verdient ;)

    Ist es Absicht, dass du nicht mehr auf FB auf deine Posts hier verweist? Ich musste mich jetzt extra im Mail-Verteiler anmelden, damit ich nichts verpasse :D
    Davon abgesehen hoffe ich, du planst irgendwann noch mal ein paar gemächlichere Tage mit weniger Kilometern, vielleicht schaffe ich es dann auch noch mal dazu zu stoßen und ein paar Tage mit zu laufen :)

  • Beate Hill
    2 Jahre ago

    Lieber Lukas,
    ich sehe, dass es z.Zt. nicht gerade Kommentare regnet……Vielleicht liegt das an der Hitze? Ich hoffe, dass deine Nase sich beruhigt hat und deine Schuhe sich schnell an deine Füße gewöhnen. Für sie ist es ja auch eine Umstellung…..Welche Marke hast du denn eigentlich gekauft, wenn nich Adidas zu haben war? Hoffentlich halten sie bis Gibraltar durch!!
    Eigentlich wollte ich dich nur ermutigen und dir sagen, mach weiter. es wird nicht jeden Tag Gewitter geben und Deutsche am Nachbartisch! Du erlebst Dinge, die die Andern, die gemütlich zu Hause in ihren Pantoffeln sitzen, niemals erleben werden. Und dann kannst du ein Buch schreiben und, wer weiß? Vielleicht berühmt werden, wenn du willst? Wir vergessen dich nicht und eigentlich, ehrlich gesagt, bewundern wir dich, Lukas!

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