So langsam läuft´s bei mir

Sorry, dass ich jetzt schon länger nichts mehr habe hören lassen von mir. So langsam kehrt zwar Routine ein und ich gewöhne mich an die ganzen Prozedere, aber an das Tippen nach den vielen Schritten muss ich mich noch gewöhnen. Ich bin ich aber guter Dinge, dass das bald wie automatisch geht und ihr regelmäßig von mir hört, habt also noch ein wenig Geduld mit mir. Auch beim Laufen komme ich mittlerweile besser klar, zum einen komme ich vom Kopf her besser damit zurecht, zum anderen habe ich aber auch das Gefühl, das ich schneller vorankomme. Zumindest lasse ich meine kleinen Begleiter hier recht schnell hinter mir.

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Am 4. Mai, der zufällig auch der 4. Tag war, bin ich auf dem Weg nach Pfordt gewesen. Ich war richtig gut gelaunt und bin top motiviert losgezogen, da ich mich wie gesagt so langsam an das Ganze hier gewöhne und Spaß daran finde. Auf einmal wurde ich aber aus meiner Welt gerissen, als es klingelte und jemand “hey there!” sagte. Was komisch gewesen ist, war, dass ich niemanden gesehen habe, als ich mich umgedreht habe. Ich sagte mir: “Na super, jetzt bist du dehydriert, trink halt einfach mal mehr!”, als ich aber runter geschaut habe, habe ich auf den Boden Ferdinand auf seinem Liegerad entdeckt. Er kommt aus Belgien und fährt mit seinem Radel einmal um Deutschland. Wir haben uns ein wenig unterhalten und ich war positiv von meinem Englisch überrascht. Seine nächste Etappe war Fulda, was für mich leider zu weit gewesen wäre. Er lehrte mir auch gleich mal die zweite Lektion der Reise – zuhören! Mein Problem ist, dass ich mir Namen nicht merken kann, da ich zwar danach frage, aber nicht konzentriert genug zuhöre, sodass ich ihn meistens spätestens nach ein paar Stunden vergessen habe. Selbst im Studium habe ich mir den Namen einiger Kommilitonen bis zum Schluss nicht merken können. Die jeweiligen Leute wussten vermutlich nicht einmal, dass ich ihren Namen nicht kannte, weil man sich in einem Gespräch erschreckend gut davor drücken kann, den Namen zu nennen. Aber ich gehe mal lieber nicht zu tief ins Detail, da es sonst zu unangenehmen Situationen führen könnte, wenn die Personen das hier lesen. Also Ferdinand, wenn du das hier lesen solltest und du doch nicht Ferdinand hießt, tut mir das wirklich sehr Leid!! :)

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Am Nachmittag habe ich dann mein Ziel Pfordt erreicht und wurde herzlichst im Landgasthof Porta empfangen. Ich habe von meinem Spendenlauf erzählt und die betreibende Familie hat ohne lange zu zögern in den Brunnen investiert. Okay nicht direkt in den Brunnen, aber indirekt, es gab ein richtig leckeres Jägerschnitzel mit Bierchen aufs Haus und am nächsten Morgen noch eine Mut machende Verabschiedung. Solltet ihr also mal in der Nähe von Fulda ein Quartier suchen, wisst ihr jetzt wo ihr gut aufgehoben seid! ;)

Am 5. Mai zog ich dann endlich los nach Fulda, meinem ersten großen Ziel. Das Wetter war während des Laufens wie die Stimmung einer Frau – sehr wechselhaft. Es ist zwar sehr warm gewesen, aber die Wolken am Himmel waren so dunkel, dass ich fast meine Stirnlampe hätte auspacken müssen. Gott sei Dank, blieb es aber die meiste Zeit trocken und es kamen nur ein paar Schauern runter. Ein Schild zeigte mir meinen ersten Erfolg an, ich habe den ersten Landkreis verlassen und nähere mich langsam aber sicher der französischen Grenze. Unterwegs traf ich das Naturmädel Rebekka, sie sprach mich an, was ich denn mache. Als ich ihr berichtet habe, worum es geht, frug sie mich, ob ich denn gerade mein Abi beendet habe, das war das wohl schönste Gefühl seit Langem! Ich habe mich das letzte Mal so jung gefühlt, als ich beim Kaufen von Alkohol nach meinem Perso gefragt wurde. Traurigerweise ist das nun mittlerweile auch schon wieder einige Jährchen her und da war ich wirklich noch jung. Naja ich bin es ja auch immer noch, aber wenn ich daran denke, dass die Millenniumskinder mittlerweile 15 sind und ich sehe, dass die Kinder von damals auf einmal alle einen Führerschein haben, fühlt man sich doch schon recht alt. Wie dem auch sei, neben dem Gefühl jung zu sein, schenkte sie mir noch 2 Buchknollen und wünschte mir viel Glück für den weiteren Weg.

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Als ich das erste Mal Fulda erblickt habe, sah ich über endlose, gelbe Rapsfelder, was wirklich beeindruckend war. Allerdings wurde der Anblick schnell von einem Hecheln abgelenkt und etwas anderes weckte mein Interesse. Dieses Etwas war Gizmo, eine Französische Bulldogge und der wohl coolste Hund, den ich je gesehen habe! Seinen Namen hat er übrigens vom Gizmo, den Gremlin, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Sein Herrchen Antares kommt aus Amerika und ist vor 2 Jahren für seine große Liebe nach Deutschland gezogen. Er hat seinen Namen übrigens nicht aus einem Film, sondern weil seine Eltern mit einem 3 Mast Segelschiff um die Welt schippern. Dabei orientieren sie sich ganz oldschool nach den Sternen und haben ihren Sohn mal ganz cool nach dem Antares Stern im Sternbild Skorpion benannt, da dieser Ihnen häufig den Weg gewiesen hat. Mit Antares habe ich mich dann ausgiebig über Gott und die Welt unterhalten, was sehr spannend war, wenn auch teilweise schwer, da mir doch die eine oder andere Vokabel gefehlt hat. Antares war als Kind, bis zu seinem 18. Lebensjahr bei einer Art Pfadfinder, nur krasser. Er hat in der Gruppe gelernt, in der Wildnis zu überleben und sich sein eigenes Fleisch zu schießen und zuzubereiten. Mit ein paar Freunden hatte er mal im Winter in den Bergen ein “Überlebensurlaub” gemacht. Das heißt, das Zelt blieb Zuhause, sie haben sich ein Iglo und Schneeschuhe gebaut und sich ihr Essen selbst erlegt. Und meine Eltern machen sich sorgen um mich, weil ich in Europa unterwegs bin, tze. Auf der Suche nach einem Biergarten kam ich mir auch vor wie in einem seiner Überlebensurlaube, aber nach rund 2 Stunden haben wir einen offenen Biergarten gefunden. Also hieß es Rucksack runter, Schuhe aus, Bierchen rein. Es kam dann noch seine Frau hinzu, wir haben uns ein wenig unterhalten und danach bin ich dann zu meiner Unterkunft aufgebrochen.

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Auf meinem Weg zur Jugendherberge habe ich dann endlich das erste Mal meinen Wegbegleiter für das restliche Jahr gesehen. Die Jakobsmuschel weißt den Pilgerern auf den Jakobsweg die Richtung nach Sanitago de Compostela, im Nordwesten Spaniens. Ich erhoffe mir von dem Weg, dass ich endlich mal auf nicht geteerte Straßen komme. Bis nach Fulda bin ich immer einem Fahrradweg gefolgt und der war natürlich die gesamte Strecke über asphaltiert. Insgesamt waren keine 500 Meter Feldwege und die waren aber gleich mal viel angenehmer und vor allem abwechslungsreicher zu laufen. Gegen 18 Uhr habe ich dann die Herberge erreicht und wurde empfangen mit den Worten “Ach, von dir habe ich gestern schon gehört!”… Natürlich bin ich überrascht gewesen und habe erst einmal nachgefragt, woher er denn davon gehört habe. Philipp, der junge, freundliche Mann an der Rezeption sagte mir dann, dass gestern ein Mann auf einem Liegerad auch hier übernachtet hat und ihm von der Aktion erzählt hat. Außerdem gab er mir noch einen Gutschein für Jugendherbergen, wovon ich meine zweite Übernachtung zahlen konnte. Es ist so schön zu sehen, wie die Leute auf den Spendenlauf reagieren! Jeder findet es eine super Sache, alle machen mir Mut und möchten mir helfen. Faith in humanity restored würde ich da mal sagen!

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6 Responses to “So langsam läuft´s bei mir

  • Oder du findest jemanden, der dir was schönes draus schnitzt und holst sie auf dem Rückweg wieder ab ;) https://www.youtube.com/watch?v=xwvhGwsE3hs

  • Beate Hill
    2 Jahre ago

    Also wegen der Buchknollen. Ich nehme an es sind Knollen von Buchen? Wenn sie nicht essbar sind, pflanz sie doch! Dann brauchst du sie nicht mitzuschleppen und kannst vielleicht deinen Enkeln später mal voll Stolz zeigen, wo du entlang gewandert bist:
    Dort wo die schönen Buchen stehen…… wie romantisch!

  • Beate Hill
    2 Jahre ago

    Danke Lukas, genieße deinen Wanderbericht sehr. Es scheint nur nette Menschen und Hunde zu geben in Deutschland! Hab schon fast Lust auch mal sowas zu machen………
    Eine Frage: Was ist eine Buchknolle??????? Kann man sie etwa essen?

    • lukesletter
      2 Jahre ago

      Hallo Beate, um ehrlich zu sein weiß ich das auch nicht so genau. Es ist aber nichts zu Essen, da dies auch meine erste Frage war. Baumknollen wachsen wohl am Baum und sind vermutlich zum anschauen gedacht, ohne jegliche Funtion :)

  • Hallo Lukas, ich hab deinen Blog gestern entdeckt und bin begeistert. Du schreibst total lebendig und ehrlich. Das ist sooooo toll zu lesen. So toll, dass ich letzte Nacht sogar vom Wandern mit Zelt und so geträumt hab :-)
    Liebe Grüße, Mia

    • lukesletter
      2 Jahre ago

      haha, vielen Dank Mia, das freut mich sehr! Dann schreibe ich besser mal nur schöne Sachen, nicht das du noch albträume kriegst ;).
      Liebe Grüße
      Lukas

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