Rory und der Horrorwald

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Wie heißt es so schön: “Leben ist das, was passiert während du dein Leben planst.” (oder so ähnlich) Gestern war mein freier Tag in Langres, er begann wie gewohnt mit der Nahrungssuche, welche wie immer aus Baguette, Käse, Wasser und Energy-Drink bestand. Im Anschluss habe ich ein paar Bilder zu den letzten Beiträgen hochgeladen (also ruhig noch einmal vorbei schauen *husthust*) und habe einigen organisatorischen Kram gemacht. Während ich das also im Gemeinschaftsraum des Campingplatzes gemacht und nebenbei noch den Luxus von Steckdosen genossen habe, lernte ich einen ähnlich bärtigen jungen Mann kennen. Rory ist 25, kommt aus London und hat gerade seinen Job als Mediendesigner gekündigt, weil er sich gelangweilt hat und es ihm zu eintönig wurde. Er ist also vor 6 Tagen in London mit seinem Rad losgefahren um zu seinem Bruder nach Malta zu radeln und dort erneut den Job als Mediendesigner aufzunehmen. Zwar wird das dann erneut eintönig werden, aber immerhin hat er dort mehr Sonnenschein und eine neue Umgebung, sagt er. Wir haben den Entschluss gefasst zusammen nach Asien zu radeln, weil es schwer ist einen ähnlich verrückten für solch ein Vorhaben zu finden. Obwohl ich eigentlich noch ein bisschen was zu tun hatte und mein Zeitmesser mir sagte, dass es mal wieder Zeit für einen Friseur wäre, habe ich mich dann doch dazu entschlossen mit ihm in die Stadt zu gehen und etwas zu essen. Zeit für das organisatorische werde ich noch genug finden, einen in meinen Alter zu finden wird glaub ich um einiges schwerer. Wir haben dann abends noch ein wenig Karten gespielt. Während Rory seinen Tee getrunken hat, habe ich mein mindestens genauso warmes Bier, welches seit morgens in meinem Zelt lag genossen.

Heute schmiss mich mein Wecker dann um 4:30 Uhr aus dem Bett, bzw. Schlafsack. Ich habe in Ruhe gefrühstückt, habe den restlichen organisatorischen Kram erledigt und anschließend gegen 9 Uhr Rory geweckt. Wir haben uns beide über das Phänomen gewundert, dass unsere Taschen gefühlt auf einmal viel voller gewesen sind, haben beide keine Antwort gefunden und uns anschließend gegen 10 Uhr verabschiedet, da ein gemeinsames Reisen aufgrund unterschiedlicher Ziele und Reisegeschwindigkeiten tendentiell eher suboptimal gewesen wäre. Voller Freude darüber, dass ich endlich wieder einem Zeichen auf den Laternen, Wänden und Steinen folgen konnte, habe ich mich zur Einstimmung erst einmal wieder schön verlaufen. Google Maps zeigte mir zu allem Überfluss noch einen nicht existierenden Weg an und meine Stimmung sank in etwa so tief wie der Leitzins der EZB. Okay da kam der BWL´er aus mir heraus, ich will aber ja die breite Masse erreichen, Moment… und meine Stimmung sank in etwa so tief, wie scheinbar die Einschaltquoten im Nachmittags-TV, wenn nicht mindestens ein schwangerer Teenager, eine Schlägerei zwischen zwei Halbstarken und einem Dialog mit mehr Beleidigungen als grammatikalischen Fehlern ihren Platz finden – und am besten noch das Ganze in Kombination miteinander. Wie dem auch sei, da ich eingesehen habe, dass sich darüber aufzuregen nichts bringt und das Handy gegen einen Baum zu schmeißen mir letztlich doch mehr Probleme als Befriedigung gibt, ging ich mehr oder weniger frohen Mutes weiter durch die brühende Hitze. Auf Google Maps kam ich gut voran und musste kurz vor meinem Ziel eigentlich nur noch durch einen Wald um mein Ziel zu erreichen. Der Wald stellte sich als knapp 15 km lang heraus und ich war wieder einmal froh, dass ich keine Horror Filme gucke, die paar die ich bisher gesehen habe, haben mir auch schon ausgereicht. Ich kam schon an verlassenen Häusern, Friedhöfen und alten geschlossenen Kapellen vorbei, an die man ganz nah ran ging um rein zu schauen und dabei quasi nur darauf wartete, dass eine verwesende Hand nach einem greift. Der Mensch ist unglaublich gut darin seine Angst auf zu bauschen und ich glaube ich habe mich auf meiner gesamten Reise nicht so häufig umgeschaut wie heute. Als ich auf einem Baumstamm kurz Rast machte, konnte ich mich bildlich vor dem Fernseher sitzen sehen und rufen hören: “Du bist so bescheuert, du hast die ganze Zeit schon ein dumpfes Gefühl und jetzt setzt du dich auch noch hin, wo der Killer dich eh schon fast hat. Lass alles stehen und liegen und renn du Idiot, RENN!!” Jetzt weiß ich wenigstens warum die Leute in Horrorfilmen so reagieren, wie sie reagieren. Denn wenn man erst einmal selbst in der Situation ist, lässt man nicht einfach seinen Rucksack liegen, wenn man nicht wirklich jemanden mit Maske und Kettensäge auf sich zu rennen sieht. Wie dem auch sei, die Tatsache, dass ihr diese Zeilen gerade lest zeugen davon, dass ich noch lebe. Oder bin ich der Killer, der das hier geschrieben hat? Aber dann hätte ich euch nicht auf die Idee gebracht oder möchte ich, dass ihr jetzt denkt, dass… Okay ich höre schon auf, bin eh zu fertig um das ganze zu durch zu denken. Viel Spaß beim Lesen, ist mal wieder mehr Text geworden und dann bis Sonntag wieder. Adios Amigos

2 Responses to “Rory und der Horrorwald

  • Ines Göge
    2 Jahre ago

    Sehr schön. Alles Gute und schreib weiter. Ist ein bisschen wie Mitlaufen…

    • lukesletter
      2 Jahre ago

      Danke Ines, werde ich machen und schön, dass du mich begleitest ;).

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