Offener Brief an meinen Onkel Thomas

An open letter to my uncle Thomas

My uncle was always a very cheerful guy who was in motion all the time. In November 2013 he got diagnosed with a tumor close to his brainstem. Since than he is still very cheerful and has the one or another joke ready but he in a wheelchair and depends on his family to help him out. As I have been looking for a project for what I could walk, I asked my uncle if he knows any aid project that is important to him. In this case it is Thomas credit that I walk to help 1000 people to have clean water. People ask me all the time why I walk rather than take a bike because they know that I don’t like to walk long routes and instead love to ride my bike. Often I gave them an answer that sounded like: “Because it is more expensive” or “because it is easier to collect donations this way”. The true reason is because god gave me the feeling that I should do it by walking to Gibraltar and build the spring. I didn’t tell everyone who asked me about it the real reason because I knew that they wouldn’t understand and maybe laugh at me. Especially I sure that lots of my friends wouldn’t understand it and eventually make fun out of it. Meanwhile I have learned how bullshit it is to care what others think about me. Particularly I don’t need friend who don’t accept me how I am, how I think and what my beliefs are. I don’t want to act like someone else in front of my friends. Now enough of introduction. Let’s begin the open letter: Dear Thomas, I hope you are doing well and you are still as positive and cheerful and strong that you don’t let your head down and don’t give up. Your confidence and strength is very admirable to me and I honestly respect you a lot. Please never let go of your confidence and your humor because this is what you are and for what your family admires you and sees you a role model. I don’t know if you witnessed it but I have company along my way. Their names are Irmgard and Christl. Meanwhile we reached Metz and we also did some sightseeing today. My sense of time is lacking lately and the days get blurry a little but I guess it was Thursday when Christel told me something that was the reason for me to write this letter to you. One of her friends walked the Jakobspath many times already and he headed to ‘Santiago de Compostela (end of the path) from many different directions. When he was young he got diagnosed with testicle cancer but thank god he conquered it with chemo. In his mid-30 the cancer came back and he decided to walk the Jakobspath all over. Doing so, he hoped and prayed to god to let the cancer go away. As he reached Santiago he went to the liturgy. After the liturgy, a man with dark skin came up to him, gave him his hand and disappeared without saying a word. Since this the testicle cancer was gone and he walks the route every year again. This event gave him a sign and the action of god. When Christel told me the story I thought about you right away. My intention is not only to build the fountain but also to ask god for help and that he finally heals you. Still on the same day we´ve had a break next to a bunch of cloven wood. As we got up I saw a wonderful, redish stone that was on the top of the bunch of wood as it was on purpose. On the Jakobspath there is a tradition which says that everyone who starts the route should take with them a stone and throw it on the bunch of stones in Santiago. Thin stone symbolizes to throw away one of your sins or charges made in your life. My stone symbolizes your tumor. I want to go to Santiago to throw this stone away, so your tumor also goes away!!! I wish you the best, deep from my heart. Stay strong and always thing about the fact that every huge personality and every interesting story went through a heavy path, so yours, when you conquer the tumor!


 

Mein Onkel Thomas war immer ein aufgewecktes Kerlchen, das ständig in Bewegung gewesen ist, bis auf einmal im November 2013 ein Tumor dicht am Stammhirn diagnostiziert wurde. Seitdem ist er vom Kopf her zwar genauso aufgeweckt und macht immer noch seine Spässschen, sitzt aber im Rollstuhl und ist auf die Hilfe der Familie angewiesen. Als ich auf der Suche nach einem Projekt war, für das ich laufen kann, habe ich ihn gefragt, ob er ein Hilfsprojekt hat, das ihm am Herzen liegt. Es ist also Thomas verdienst, dass wir 1.000 Menschen sauberes Wasser ermöglichen. Ich wurde schon häufig gefragt, warum ich das ganze denn zu Fuß mache und nicht mit dem Fahrrad, gerade weil ich laufen eigentlich überhaupt nicht mag und radeln meine Leidenschaft ist. Häufig habe ich etwas geantwortet wie etwa “aus Kostengründen” oder “weil es leichter sei zu Fuß spenden einzusammeln, als mit dem Fahrrad”. In Wirklichkeit hat Gott mir das Gefühl gegeben, dass ich es zu Fuß machen soll. Den wahren Grund habe ich noch nicht oft erzählt, weil ich wusste, dass viele ihn nicht verstehen und belächeln würden. Gerade bei vielen meiner Freunden wusste ich, dass sie es nicht verstehen und gegebenenfalls sogar darüber lustig machen würden. Mittlerweile habe ich aber gelernt, wie scheiß egal es mir sein kann, was andere über mich denken. Besonders auf Freunde, die einen nicht so akzeptieren wie man ist, woran man glaubt und vor denen man sich verstellen muss, kann man getroßt verzichten. Aber genug der Einleitung, nun der offene Brief:

Lieber Thomas,

ich hoffe dir geht es gut und du bist weiterhin so zuversichtlich, munter gelaunt und so stark, dass du den Kopf nicht hängen lässt und nicht aufgibst. Deine Zuversicht und Stärke bewundere und respektiere ich wirklich sehr! Bitte verliere nie deine Zuversicht und deinen Humor, denn das zeichnet dich aus und wird von der Familie sehr bestaunt und auch als Vorbild für den Glauben genommen!

Wie du vielleicht mitbekommen hast, habe ich seit knapp einer Woche Irmgard und Christl als Begleitung. Mittlerweile sind wir in Metz angekommen und haben heute ein wenig Sightseeing gemacht. Mein Zeitgefühl hat mich schon vor längerem verlassen und die Tage verschwimmen ein wenig, ich meine aber dass es am Donnerstag war, dass Christel mir etwas erzählt hat, was auch der Anlass für diesen Brief ist. Ein Bekannter von ihr ist den Jakobsweg schon öfters gelaufen und hat Santiago de Compostela (das Endziel des Jakobsweges) schon aus mehreren Richtungen zu Fuß angesteuert. In seiner Jugend wurde Hodenkrebs diagnostiziert, der aber Gott sei Dank durch Chemo besiegt wurde. Mit Mitte 30 ist er allerdings wieder ausgebrochen, weshalb sich ihr Bekannter auf den Jakobsweg gemacht hat. Er bat damit Gott darum, dass dieser “schwarze Peter” an ihm vorbei zieht. Als er dieses mal in Santiago ankam, hat er wie immer die Messe vor Ort besucht. Am Ende der Messe kam ein Mann mit schwarzer Hautfarbe gezielt auf ihn zu, gab ihm die Hand und verschwand ohne ein Wort zu sagen. Seitdem ist der Hotenkrebs nicht mehr ausgebrochen und er läuft jedes Jahr den Jakobsweg. Er sah darin ein Zeichen und das Handeln Gottes.

Als sie mir davon erzählt hat, musste ich sofort an dich denken und habe mich dazu entschieden mit meinem Lauf nicht nur den Brunnen zu ermöglichen, sondern auch Gott darum zu bitten, dass er dich endgültig heilt. Noch am gleichen Tag hatten wir an einem Haufen mit gespaltenen Holz eine Pause gemacht und als wir aufgestanden sind, habe ich einen schönen, rötlichen Stein gefunden, der wie plaziert auf dem Holzhaufen lag. Auf dem Jakobsweg gibt es einen Brauch, dass man zu Beginn seiner Reise einen Stein mitnimmt um diesen dann auf einen Haufen bei Santiago zu werfen. Dieser Stein soll symbolisieren, dass man eine Sünde oder Last in seinem Leben wegwirft. Diesen Stein den ich da rein zufällig (?) gefunden habe soll deinen Tumor symbolisieren, auf das dieser für immer verschwindet!

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, bleib stark und denke immer daran, dass jede große Persönlichkeit und jede interessante Geschichte durch einen schweren Tiefpunkt geprägt ist, so auch deine, wenn du den Tumor überwunden hast!

In Liebe
dein Neffe Lukas

4 Responses to “Offener Brief an meinen Onkel Thomas

  • Raimund Schweighoffer
    2 Jahre ago

    Hallo Lukas.

    als ihr ehemaliger Professor und Betreuer der Bachelorarbeit habe ich heute zum zweiten Mal Ihre Webseite angeschaut. Ihre Berichte gefallen mir sehr gut und ein großes Kompliment für die Aktion und die Infos. Der offene Brief an ihren Onkel hat mich spontan veranlasst ein wirklich gutes Gedicht zu ihrem Gang auch im Hinblick auf ihren Onkel Ihnen zu schicken, welches wie folgt lautet:

    Voran, voran, voran

    Wenn man ans Rote Meer im Leben kommt, wenn alles, was man auch versucht, nichts frommt; und spricht zu dir: “Geh nur Voran mein Kind, Gott stillt die Wellen und den Wind, und wenn man sieht, hinüber führt kein Steg, ´s gibt kein zurück, herum auch keinen Weg, es gibt nur ein Hindurch, dann wisse Gott ist da, und du bist frei, und Finsternis und Sturm, sie sind vorbei.

    Das Gedicht finden Sie im Band 3 des Werkes: Leben und Lehren der Meister im fernen Osten, S. 283 und ist ein sehr, sehr gutes Werk. Es ist das Lieblingsgedicht des Autors der drei Bände – Baird Spalding

    Ein mehr als nur lesenswertes Werk – ein unglaublicher Schatz – ein möglicher Anfang einer Reise, die nie ein Ende nehmen wird. Für westlich gestrickte Menschen schwer zu fassen und zu glauben, was darin zu finden ist.

    Beste Grüße nach Frankreich und good luck oder doch besser und klarer gesagt: Gottes Segen für Sie auf ihrem Weg!

    Ihr
    Raimund Schweighoffer

    • lukesletter
      2 Jahre ago

      Bonjour Herr Schweighoffer,

      vielen Dank für ihre lieben Worte, das Gedicht ist tatsächlich sehr schön! Es freut mich, dass Sie meinen Weg verfolgen und ich sende ihnen hiermit liebe Grüße zurück von Langres nach Deutschland. In voraussichtlich 2 Monaten werde ich dann Spanien erreichen.

      Liebe Grüße
      Lukas

  • Lieber Lukas,
    Thomas bedankt sich ganz herzlich für deine lieben, mutmachende Zeilen.
    Er lebt ganz im Vertrauen auf Gott, mit der Gewissheit, dass ER seine Versprechen hält: Niemals lässt Gott den im Stich, der ihm die Treue hält.
    Hier noch eines seiner Lieblingslieder:
    Meine Gnade weicht nicht von dir, meine Gnade weicht nicht von dir, denn ich bin dein Gott, der dich niemals verlässt. Der Bund meines Friedens steht felsenfest.Komm schlag neu ein, komm heraus komm zu mir. Meine Gnade weicht nicht von dir.1. Ich bin da, stets zu erreichen,niemals lass ich dich allein. Eher werden Berge weichen! Ich will immer mit dir sein! 2.Ich bin da in schweren Zeiten. Ich bin größer als die Not und ich werde für dich streiten,denn ich bin dein treuer Gott! 3.Ich bin da, um zu vergeben, ich schenk einen Neubeginn! Du darfst hoffen,du sollst leben,weil ich stets barmherzig bin.
    Lieber Lukas, auch für dich gilt: Gottes Gnade weicht nicht von dir, ER begegnet dir in deinem Herzen.
    Liebe Grüße von
    Thomas und Bettina

    • lukesletter
      2 Jahre ago

      Liebe Bettina,

      das freut mich sehr zu hören! Das ist tatsächlich ein sehr schönes Lied. Als ich die ganze Zeit an der Hauptstraße lang gelaufen bin, habe ich mir einen Teil der Bibel als Hörbuch angehört. Das neue Testament ging dabei eigentlich fast ausschließlich um die Wunderheilungen Jesu und da ist mir noch einmal bewusst geworden, wie leicht es für Gott doch ist kranke zu heilen. Von daher seit gewiss, dass Gott auch Thomas nicht im Stich lassen wird!

      herzlichste Grüße aus Langres
      Lukas

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