Hightech trifft Tradition

FullSizeRenderDie letzten Wochen musste ich noch einige Dinge besorgen, die mir für die Reise noch gefehlt haben. Sachen wie einen Rucksack, Wanderstöcke, etc. habe ich mir vor Ort, mit Beratung im Fachhandel geholt. Den technischen Kram wie etwa das Tablet zum Bloggen, SIM-Karten fürs Ausland oder eine Digicam habe ich mir einfach im Internet bestellt. Dies führte dazu, dass ich die letzten Tage den Postboten beinahe öfters gesehen habe, als meine Eltern, die im gleichen Haus wohnen. Auch meine 90 jährige Oma, die nebenan wohnt und das eine oder andere Mal, als ich noch im süßen Land der Träume schlummerte, ein Päckchen entgegennehmen musste, war schon kurz davor wieder ihre alte Postuniform von damals aus dem Schrank zu holen. Doch ich konnte sie beruhigen, sie muss nicht ihren wohlverdienten Ruhestand aufgeben und wieder anfangen in der Poststelle zu arbeiten, denn mittlerweile habe ich bis auf einem Päckchen alles, das ich bestellt habe.

Allerdings gaben mir die vielen Bestellungen zu denken. Ursprünglich wollte ich nur mit dem Nötigsten los ziehen, über Gott und die Welt nachdenken und mir klarer darüber werden, welchen der Wege, die ich für meine Zukunft in Betracht ziehe, ich wählen soll. Jetzt aber sind nach und nach mein Tablet, die Digicam und sogar ein Solarladegerät eingetrudelt und alleine der ganze technische Schnick Schnack, den ich nun eben mitnehme, wiegt bestimmt schon 2 Kilo. Doch mit der Entscheidung einen Spendenlauf zu machen, wurde mir auch bewusst, dass das Ganze ganz anders wird, als ich mir das ursprünglich vorgestellt hatte. Nicht schlechter, nicht besser, einfach nur anders. Aus dem “Ich kapsel mich ab von der hektischen Welt, der Smartphones, E-Mails, Computer und ständigen Erreichbarkeit”, wurde ein “Ich kapsel mich ab von der Außenwelt und nehme dabei ein Tablet mit, um euch darüber zu erzählen, wie ich mich abkapsel und mit dem Spendenlauf voran komme”… Ähhhmm…

Je mehr ich aber darüber nachgedacht habe, desto reizvoller wurde es für mich. Ich habe den ganzen Tag Zeit, mir meine Gedanken zu machen, so wie ich mir das vorgestellt hatte und abends kann ich euch dann bei lecker camping-605301_1280Tütensüppchen und Gaskocherromantik meine Erkenntnisse des Tages mitteilen. Oder ich führe euch eben ein in das Leben eines jungen Mannes, dessen Tagesablauf darin besteht aufzustehen, das Zelt abzubauen, loszulaufen, das Zelt aufzubauen, zu kochen und anschließend schlafen zu gehen, nur um am nächsten Tag wieder dasselbe Spielchen zu spielen. Tag für Tag, Monat für Monat. Aber ich vermute dieser Alltag, der mir bevorsteht, ist dennoch spannender als der übliche Alltagstrott, in dem wir stecken, alleine weil ich tagsüber sicherlich um einiges mehr erleben werde. Seien es Begegnungen mit interessanten Menschen, mit Händen und Füßen etwas zu Essen zu bestellen oder einfach nur der ganz normale Wahnsinn, den man durchlebt, wenn man bei 30 Grad im Schatten und mit 20 Kilo auf dem Rücken Kilometer für Kilometer läuft. Aber ganz ehrlich, ich freue mich schon mega darauf! Die letzten Wochen war ich von morgens bis nachts damit beschäftigt den Spendenlauf bekannt zu machen, um möglichst viele potenzielle Spender zu erreichen, Sponsoren zu finden, Auslands-Krankenversicherung abzuschließen und und und. Die Monotonie des Laufens und das stupide vor sich hin gehen und nachdenken erscheint mir daher mittlerweile sehr reizvoll. Die Videos und Bilder, die ich mir in den letzten Tagen vom Jakobsweg in Spanien angeschaut habe, haben ihr übriges getan.

Ich hatte bisher noch gar keine Zeit, mich mental auf mein Vorhaben einzustellen, sodass ich mich nächste Woche quasi selber mit der Reise überraschen kann. Doch das ist denke ich gar nicht mal so verkehrt. Vermutlich springe ich lieber ins kalte Wasser, als mich vorher verrückt zu machen. Das sich verrückt machen übernehmen zum Glück schon meine Mutter und meine Omas für mich. Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich mit der Organisation des Projektes so weit fast fertig bin. Der Blog steht soweit, ich habe bereits 2-3 Firmen, die einen Teil des Brunnens finanzieren werden, ich habe nahezu alles, was ich für die Reise benötige und fiebere nun mit gemischten Gefühlen dem 1. Mai entgegen.

6 Responses to “Hightech trifft Tradition

  • Hey Lukas,

    super coole Sache! Kurze Frage aus Interesse: Warum läufst du in Spanien an der Atlantikküste und nicht am Mittelmeer? ;)

    Liebe Grüße
    Stina

    • lukesletter
      3 Jahre ago

      Hey Stina,
      Ich gehe bei meinem Lauf größtenteils auf dem Jakobsweg, zum einen weil es sich anbietet, da er recht gut ausgeschildert ist und zum anderen weil ich den ohnehin mal gehen wollte.

      Der Jakobsweg führt über Nordspanien nach Santiago de compostela im Nord Westen Spaniens. Daher gehe ich den Umweg über die Küste Portugals nach Gibraltar :).
      Liebe Grüße
      Lukas

  • Hallo Lukas,

    erst einmal finde ich dein Projekt toll und sehr ehrgeizig, da du mit wenig Erfahrung dich in diese lange Wanderung stuerzt. Ueberrascht bin ich, wieviel Kilogramm du mit dir herumzutragen planst. 20 Kilogramm, dazu Essen und Trinkwasser, scheint mir recht viel zu sein. Ich bin seit einigen Monaten, wie du zu Fuss, mit inzwischen deutlich ueber den von dir anvisierten 4000 Kilometern unterwegs, schreibe einen Blog, nutze ein Solarpaneel und Speicherakkus und meine gesamte Ausruestung wiegt komplett etwa 12 kg. Von grosser Hitze bis zu -15 Grad C ist alles dabei. Dazu kommt Trinkwasser, selten mehr als ein Liter und Essen. In Europa ist meist nur eine Art Lunchpaket noetig. Meine gesamte Elektronikausruestung inkl. Solarpaneel liegt bei 600 – 800 g! So verzichte ich bewusst auf ein Tablet. Da du zu Beginn auf dem Jakobsweg laeufst ist es vielleicht eine Ueberlegung wert, dass du dir Einiges erst kurz vor Afrika per Post zusenden laesst. Je weniger Gewicht du mit dir herumtraegst, desto mehr Spass macht nach meiner Erfahrung letztlich die Wanderung.

    Ansonsten Hut ab und dir viel Vergnuegen auf der Wanderung und bei der Vorbereitung.

    Liebe Gruesse
    Wolfgang

    • lukesletter
      3 Jahre ago

      Hallo Wolfgang,

      das klingt ja spannend! Wo bist du denn unterwegs? Ich habe mittlerweile einiges aussortier, so habe ich mich dazu entschlossen mir unterwegs ein Ersatzpaar Schuhe zu kaufen, ich werde mich nicht mehr rasieren und die Reiseführer werde ich mir auch entsprechend unterwegs holen. Das Solarpannel habe ich auch zurück geschickt. Mittlerweile dürfte ich einiges an Gewicht gespart haben. 12 Kg werde ich aber denk ich immer noch nicht erreicht haben, ist mir ehrlich gesagt auch ein Rätsel wie das geht, besonders bei einer so langen Reise wie deiner.

      Dir auch noch alles Gute bei deiner Wanderung!
      Liebe Grüße

      Lukas

      • Hallo Lukas,

        ich pilgerte von Berlin nach Santiago de Compostela und weiter nach Portugal. Dort änderte ich meine Planung, ging nicht nach Afrika, sondern flog nach Südamerika. Momentan bin ich südlich von Santiago de Chile, auf dem Weg nach Norden. Kurzzeitig mit Fahrrad, inzwischen wieder zu Fuß.

        Mein Material ist recht leicht. So wiegt mein Zelt weniger als ein Kilo, mein Rucksack 2 kg, meine gesamte elektronische Ausrüstung gerade 600 g. Ersatzschuhe und alles andere kannst du problemfrei unterwegs kaufen oder z.B. beim Schuster reparieren lassen. Neue Absätze an meine Wanderstiefel kosteten mich in Portugal knapp 5 €. Sinnvoll ist ein leichter Mehrfach-USB-Stecker, da es in Pilgerherbergen, Gîte, Hostels usw. oft nur eine Steckdose gibt, die viele nutzen möchten. Dito leichte (!) Schlappen für die Duschen und im Haus. Ansonsten wirst du merken, was du unterwegs nicht benutzt, z.B. die dritte Hose, … und kannst es per Post zurückschicken oder, falls später benötigt voraus schicken. Ich selbst wandere seit meinem 16. Lebensjahr alleine längere Touren durch Europa und die Welt, sodass ich inzwischen alles abwiege und mir überlege, ob ich es wirklich benötige. Aber, du wirst selbst merken, was du wirklich unterwegs benötigst. Auch ich schickte ein Paket u.a. mit der schweren und für mich unnötigen Kamera nach Hause.

        Viel Spaß und Erfolg für den Brunnen noch. Ich verfolge deinen Blog auf jeden Fall weiter und drücke dir die Daumen.

        Liebe Grüße
        Wolfgang

        • lukesletter
          3 Jahre ago

          Hallo Wolfgang,
          krass, das klingt ja mal cool! Okay, alleine bei Rucksack und Zelt habe ich schon knapp 2 Kg mehr ;). Ich denke auch, dass ich mich so nach und nach von einigen Dingen trennen werde, das wird schon :). Na dann wünsche ich dir noch viel Freude in Südamerika und vielen Dank für deine Tipps.

          Liebe Grüße
          Lukas

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