Back to Spain

Meine Zeit in Lissabon ist vorüber und ich habe sie sehr genossen! Ich durfte viele coole neue Leute kennen lernen, durfte mich erneut in eine Stadt verlieben und alles in allem einfach eine geniale Zeit in einem meiner Kurzurlaube auf diesem Trip verbringen. Am Donnerstag Abend habe ich dann zum ersten mal seit Ewigkeiten wieder einen Bus betreten, um eine längere Distanz zurückzulegen. Insgesamt ging es für knapp 300 Km in Richtung Osten nach Merida, in Spanien. Merida liegt auf der gleichen Höhe wie Lissabon, sodass ich quasi keine Strecke auf meiner Reise mit dem Bus zurück gelegt habe, sondern im Prinzip meine Route nur etwas östlich verschoben habe. Gegen 2 Uhr habe ich die Fahrt in dem wohl klimatisierten Bus gut überstanden, was mich gewundert hat, weil ich normalerweise Busfahrten echt nicht ausstehen kann. Das wohl klimatisiert führte allerdings dazu, dass ich nun immer noch etwas erkältet bin. Neben mir stieg noch ein Asiate aus, den ich nach einer Möglichkeit zum Schlafen frug. Da er leider kein Englisch sprach und mein top Spanisch, was zum größten Teil aus wild gestikulieren und französischen Wörtern mit spanischen Endungen besteht, leider nicht verstanden hat, folgte ich ihm einfach. Der “Dialog” auf dem rund 20 minütigen Fußmarsch war relativ schweigsam und bestand aus ein paar vergeblichen Versuchen, dem anderen etwas zu erklären, als wir aber feststellten, dass der gegenüber einen nicht versteht, liesen die Versuche dann aber auch nach und die Nachtluft der Stadt sprach für uns. In Der Innenstadt angekommen verwies er mich dann auf jemand anderes, der angeblich Englisch sprach, der tat dies zwar nicht, konnte mir aber dennoch eine Unterkunft zeigen. Die Nacht konnte ich dann glücklicherweise doch in einem Zimmer verbringen und musste sie nicht in einem kalten Busbahnhof tot schlagen – Das hätte ich auch gar nicht gekonnt, denn ich bin ja Pazifist.

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Am nächsten Tag habe ich dann das schöne Wetter genossen, habe mir ein wenig Merida angeschaut, was soweit ich das betrachten konnte sehr schön und grün ist und bin in eine günstigere Unterkunft umgezogen, wo ich mich dann erst einmal der Waschmaschine für einen Euro angenommen habe. Moment… wo ich gerade diese Zeilen schreibe, fällt mir ein, dass ich vergessen habe ihm den Euro hinzulegen… und bin in eine günstigere Unterkunft umgezogen, wo ich mich dann erst einmal der kostenlosen Waschmaschine angenommen habe. Naja erstaunlicherweise habe ich dann zum Abend hin doch noch Besuch bekommen, zwei Mädels aus Budapest hat es auch noch Merida auf den Via Plata verschlagen – so heißt der Jakobsweg von Sevilla nach Santiago. Sie sind seit 2 Monaten auf einem Wander- und Backpacker Urlaub und haben nun festgestellt, das sie bisher nur Städte besucht haben, aber noch nicht gewandert sind. Also Laufen sie nun von Merida nach Sevilla, um danach an der Küste von Portugal hoch nach Lissabon zu wandern und anschließen von Porto nach Barcelona zu fliegen (oder so ähnlich). Da die beiden am nächsten Tag noch zum Decatlon mussten, um sich noch Stöcke zu holen, haben wir uns verabschiedet und sind so verblieben, dass wir uns im nächsten Ort dann vermutlich wieder treffen. Ich bin also alleine zielstrebig los gestiefelt, da ich am vortag bereits die gelben Pfeile gesehen habe. Nachdem ich aber eine Brücke überquert habe, konnte ich nichts mehr finden und habe leicht entnervt auf das gute alte Google Maps zurückgegriffen.

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Zunächst war der Weg echt schön am Fluss entlang um dann anschließend hoch in einen etwas größeren Hügel überzugehen. Hier hatte ich dann zum ersten Mal seit längerem wieder eine echt schöne Aussicht und ich fühlte mich ein wenig wie in Afrika. Die Freude wurde allerdings recht Rasch von einem Zaun getrübt. Google Maps meinte ich solle geradeaus weiter gehen, der Zaun meinte nein – Google hat gewonnen, da die Alternative 5 Km zurück laufen gewesen wäre und ich weiß nicht ob ich es bereits erwähnt habe, aber ein Lukas läuft nicht zurück! Bevor ich die gleiche Strecke zurück gehe, gehe ich lieber einen Umweg, hauptsache nicht zurück!

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Also Rucksack rüber geschmissen und Michael Night like über den Zaun geklettert. Während ich dann also so über eine normale Landschaft lief, die genauso aussah wie zuvor und auch kein Haus zu sehen war, fragte ich mich wozu dieses Gebiet wohl abgesperrt ist. Die Gedanken gingen in Richtung Militärgebiet, da aber Schafscheiße am Boden zu sehen war, wurde meine Angst vor Mienen schon einmal beruhigt. Eine Patrone die am Boden lag, nahm mir die zuvor gewonnene Beruhigung dann aber recht schnell und die Schüsse die ich hörte taten dann ihren Rest. Als ich einige Meter weiter ging, sah ich dann einige Jäger und freute mich schon auf eine angeregte Diskussion auf Spanisch und war gespannt ob sie mein Spanisch besser verstehen würden, als der Asiate. Selbstbewusst und von nichts wissend stampfte ich dann also freundlich lächelnd einem Jäger entgegen, der mich schon von weitem bemerkt hat, was ggf. an den von mir aufgescheuchten Vögeln gelegen hat. Er mit seinem Gewehr und drei Hunden stand nun also mir mit einem gigantischem Rucksack, einem immer griffbereitem, verrostetem Opinel Taschenmesser und einem majestätischem Bart entgegen – Ich denke es ist klar, wer dieses Duell gewinnen würde. Da ich aber keine Lust hatte 5-6 spanische Jäger plus locker 10 Hundeleichen verschwinden zu lassen, entschied ich mich für den friedlichen Weg und war überrascht, wie freundlich er war. Ich tat einen auf “huch wusste ich gar nicht” und er versuchte mir mit einem zur Schau stellen seines Gewehres klar zu machen, dass sie hier scharf schießen. Da ich froh darüber war, dass er mich nicht zur Sau machte und mit der Polizei drohte (natürlich war ich froh für ihn), fragte ich gar nicht erst, ob ich den auf Google Maps angezeigten Weg fertig gehen könne, der etwa 1-2 Km vor meinem Ziel gewesen wäre und lief in die von ihm angezeigte, entgegengesetzte Richtung. Nach 5 Metern überquerte ich erneut einen Zaun der direkt neben dem Jagdgebiet verlief. Ein kurzer Hinweis an dieser Stelle an meine geliebten Eltern, es war noch ein Zaun zwischen mir und dem Jäger, ich vermute daher, dass ich noch nicht in ihrem Jagdgebiet gewesen bin und des weiteren habe ich um ein paar weitere Schutzengel gebeten, die ihren Job soweit echt ganz gut gemeistert haben. Das Jagdgebiet erwies sich als ungemein groß, meinen Instinkt über das Jagdgebiet abzukürzen unterdrückte ich aber, da ich den Schutzengeln keine Überstunden aufbrummen wollte. Nach locker 3-4 Km in die falsche Richtung bin ich dann wieder auf die beiden Mädels gestoßen. Gemeinsam sind wir dann in die nächste Stadt gestiefelt, haben eine Unterkunft gefunden, Pasta mit Tomatensoße gekocht und sind schlafen gegangen. Heute standen 28 Km auf dem Programm, wofür wir mit 10 Uhr etwas zu spät gestartet sind. Nach etwa der Hälfte habe ich mich dann von den beiden getrennt, um schon einmal einen Platz zum Schlafen zu finden. Gegen 18 Uhr hab ich ihnen dann eine SMS mit der Erklärung geschickt, wo die Albergue ist. Eine Stunde riefen sie mich dann an, da sie nichts erhalten hatten und teilten mir mit, dass sie bereits in der Stadt sind. Etwas mehr als eine halbe Stunde später habe ich sie dann noch einmal angerufen, da sie immer noch nicht da waren. Anschließend holte ich sie ab und war mit Mitleid erfüllt, als ich sie da so wie ein Häufchen Elend im dunklen sitzen sah. Es war ihr zweiter Tag und sie sind knapp 30 Km mit knapp 20 Kg auf dem Rücken gelaufen, das können noch nicht einmal viele Männer von sich behaupten! Entsprechend liefen, bzw. humpelten sie aber auch und ihre Reaktion auf meine eigentliche ermunternd gemeinte Info, dass es nur noch 500 Meter seien, sprachen auch Bände. Nun ja, jetzt habe ich den doch etwas ausführlicher gewordenen Beitrag beendet, wir werden noch einen Wein trinken und ich werde mich dann morgen früh um die ganzen Dinge kümmern, die noch anstehen, dazu aber dann demnächst mehr.

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