Ein ganz normaler Tag auf dem spanischem Jakobsweg

Ich fliege gerade über Häuser und Felder, Straßen und Weiden, Menschen und Kühe. Die Welt schläft noch, denn es ist mitten in der Nacht. Als ich gerade zur Landung ansetzen möchte, gibt es plötzlich einen hellen Blitz. Es ist Punkt 6 Uhr und ich wurde mal wieder sanft aus meiner süßen Traumwelt gerissen, als jemand das Licht des Schlafsaals angemacht hat. Der Versuch das Licht einfach zu ignorieren und sich umzudrehen klappt für einige Minuten, wird aber durch übereifrige Pilger mit ihren genialen Packsystemen, die darin bestehen alles in ultra leichten und vorallem aber leisen Plastiktüten einzupacken, zu nichte gemacht. Als Renilde, Juni (aus Norwegen), Rapha und ich uns langsam eingestehen diese Schlacht verloren zu haben, sind wir wie immer mal wieder die letzten im Raum.Top fit, ausgeschlafen und mit einem Lächeln im Gesicht wie der Sonnenschein geht es in Bad zum Zähneputzen und Bart kämmen. Noch ein wenig Wasser ins Gesicht, mit dem mega softem, schnelltrocknetem microfaser Handtuch abtrocknen und alles im Rucksack verstauen. Ohne Frühstück geht es dann in die Kälte, denn mittlerweile ist auch in Spanien der Hochsommer vorbei, was vermehrt in mir die Frage aufwirft. Warum zum Teufel steht man dann mitten in der Nacht auf, nur um 6 Uhr loszulaufen, wenn draußen noch alles dunkel ist!?! Nach rund 5 Km wird dann im ersten Ort erst einmal mit Omlet und spanischer Wurst belegten Sandwiches und Cola in Ruhe gefrühstückt. Der restliche Tag besteht darin eine scheinbar nicht endende Masse an Pilgern zu überholen, nur um sie dann bei der nächsten Pause wieder an uns vorbei ziehen zu lassen, damit das Spiel wieder von vorne beginnen kann. Gegen 16-17 Uhr wird dann entschlossen in dem Ort zu bleiben und eine Albergue aufzusuchen. Ist die Wahl auf eine Albergue gefallen, welche meistens zwischen 5-10 Euro kostet, wird die nächste Entscheidung gefällt: kochen oder Pilger Menü für 12 Euro. Das schöne an den Herbergen in Spanien ist, dass man meistens in großen Schlafsälen unterkommt, wo man mit den Leuten in Kontakt kommen kann und außerdem ihr Schlafverhalten studieren kann. Gestern zum Beispiel war ich mir nicht sicher, ob mein Nachbar einfach nur schnarcht oder ob er versucht den Regenwald abzuholzen… mit einem Panzer der Motorsägen schießt. Man lernt also die verschiedensten Arten von Schnarchern kennen, da wären zum einen die Regelmäßigen, basslastigen, die sind mir am liebsten, da du weißt, was auf dich zukommt und du ihr schnarchen in deinen Traum einbauen kannst. Die unregelmäßigen sind wesentlich schlimmer, da du denkst “okay, jetzt ist es vorbei” und dann aus dem nichts ein fettes, lautes Grunzen kommt. die Kategorie von gestern sind aber die Schlimmsten! Laut unrgelmäßig und einfach nur zum verzweifeln. Ich habe mich daher früh entschlossen mit Matratze und Schlafsack in den Speißesaal umzuziehen, was die Beste Entscheidung überhaupt war. Die Entscheidung bis 1 Uhr einen Film zu schauen habe ich um 05:30 Uhr gleich wieder bereuht, als die ersten in den Speißesaal kamen um ihren Rucksack zu packen und im Dunklen in die Kälte zu starten, was ich beim besten Willen nicht verstehen kann, da die Temperaturen mittlerweile um die 20-25 Grad sind. Aber wie dem auch sei. so oder so änlich schaut aktuell mein Alltag in Spanien aus :)

2 Responses to “Ein ganz normaler Tag auf dem spanischem Jakobsweg

  • Marc B ü h l e r
    2 Jahre ago

    Hey Lukas! Weiterhin viel Erfolg, Spaß, Kraft und Ausdauer, VG Marc

  • Hallo Lukas,

    Es ist immer wieder spannend und amüsant, was du erzählst und ich freu mich immer auf deine Einträge! Was mich besonders interessieren würde: jetzt wo der erste Brunnen finanziert ist, gibt es schon Ideen, was mit den weiteren Spenden gemacht werden könnte? Du hattest ja auch mal ein weiteres Herzensprojekt erwähnt. Ich glaub ich bin nicht die einzige, die es spannend fände, dazu noch mehr zu erfahren!
    Liebe Grüße!

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